pre world cup 2002 la réunion

Pre World Cup La Réunion November 2002

Vorab: Ausführliche Reiseberichte mit Beschreibungen zu den geografischen und klimatischen Besonderheiten von La Réunion und seinen Fluggebieten schwirren zuhauf im Netz herum. Dem ist nichts hinzuzufügen: Korallenriffe schimmern weiterhin durch türkisblaues Meer, die Fluggebiete liegen immer noch auf der Leeseite und sind aufgrund der frühen Wolkenbildung nur etwas für Frühaufsteher bzw. gewiefte GPS-Nutzer und der keke unterhalb vom Hausberg Colimaçons ist nach wie vor furchterregend. Der Vulkan Piton de la Fournaise gab sich die Ehre während unseres Aufenthalts auszubrechen und bescherte uns ein eindrucksvolles farbiges und feuriges Schauspiel, einen Volksauflauf mit Picknick unter dem Vulkan und einen Gaffer-Stau.

Doch wir - das sind Erwin, Manfred (vom Rittisbeach) und ich - hatten nicht etwa vor, Urlaub zu machen - weit gefehlt! Unser Auftrag war der Pre-World-Cup von La Réunion und unser Ziel: bloß nicht letzter werden...

Die Wettkampfsituation hatte gewisse Vorteile: in Paris warteten tatsächlich unsere per Scheck ins Ungewisse vorausbezahlten Tickets und Erwin konnte schamlos die erlaubten 40 k Gepäck ausnutzen. Wir wurden am Flughafen nicht nur abgeholt, sondern erst einmal zu einem Begrüßungsimbiss mit Rumpunch (es war 10 Uhr morgens!) und leckeren undefinierbaren Samozas eingeladen. Die Unterkunft war organisiert und im Preis inbegriffen aber ein wenig gewöhnungsbedürftig. Zunächst schauten wir etwas betreten, dann arrangierte man sich (wir zogen aus dem Massenschlafsaal entweder auf die Dachterrasse oder fanden sonstwie eine schnarchfreie Zone), und schließlich blieben wir auch noch die Woche nach dem Wettbewerb, weil es einfach idyllisch war. Die Wartezeit zwischen Absaufen und Ergebnislistenstudieren konnte man im Wettkampfbüro verbringen, d.h. am Pool des exklusivsten Clubs am Ort. Auch über die Abendgestaltung brauchten wir uns keine Gedanken zu machen: verschiedene Sponsoren spendierten Cocktails, Essen oder Partys. Mit anderen Worten, es war eigentlich wie im Urlaub, wenn da nicht auch noch der Bewerb gewesen wäre...

Etwas verwundert und sehr erleichtert nahmen wir zur Kenntnis, dass die Startplatzauffahrt ganz zivil erst auf 9 Uhr angesetzt wurde. Oben dann erst einmal Highlife: Musik, Fahnen, Presse, Fernsehen, Würstlbuden (all for free, versteht sich), und Erwin, Manfred und ich beim Schnellkurs GPS-Programmierung und Wettkampfregeln. Gleichzeitig sinkt die Wolkendecke bedenklich, der Wind dreht sich im Kreis, mal böig, mal gar nicht, in der Ferne könnte man fast meinen, es geht ein Schauer nieder. Als wir überzeugt sind, jetzt wird abgebrochen, heißt es: Briefing! Die Aufgabe wird bekannt gegeben - auf französisch, versteht sich, also ratlose Blicke bei den Ausländern - und dann noch einmal Ratlosigkeit - diesmal auch bei vielen Franzosen - als beim Eingeben der Strecke immer um die 50-60 km auf dem GPS herauskommen. Inzwischen liegt die Basis 10 m über dem Startplatz, Tendenz sinkend. Und immer wieder der kategorische Hinweis: Wolkenflug verboten!!! Angesichts von 60 Piloten und einer Auflegefläche für zwei Schirme drängelt sich alles startbereit vor dem Startplatz (außer Manfred, der manchmal auf die persönliche Einladung wartet), und jeder Start oder Startversuch wird lautstark kommentiert. Dazu laufende Kameras, wunderbar!

Wer nicht direktissimo nach dem Start absäuft, hat ein Stück spannende Schwerstarbeit vor sich: Zuerst kämpft man verzweifelt im 0,25 m Bart ums Überleben, 2 Minuten später legt man die Ohren an, um nicht in der Wolke erwischt zu werden. Endlich an der Basis kommt das trügerische Gefühl auf, "puh, geschafft!", 2 km weiter steht man wie angenagelt über einem abgrundtiefen Graben und kommt gegen einen unerfindlichen Wind nicht mehr an. So müht man sich km um km bei kräftigem Gegenwind weiter, biegt um die Ecke und glaubt das GPS spinnt: 70-80 km/h groundspeed; da geht's natürlich nur so dahin, bis man um die nächste Ecke biegt und bei 0 km/h wie im Fahrstuhl zu Boden sinkt. Also langweilig war die Fliegerei auf La Réunion wirklich nicht. Und - auch wenn es sich nicht so anhört - Spaß gemacht hat es allemal. Es ist halt immer wieder verblüffend, bei welchen Bedingungen trotzdem weit geflogen werden kann; und meistens waren immerhin einige (und oft immer die selben) Piloten im Ziel.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: man kann auf La Réunion natürlich auch gemütliche Thermikflüge machen (solange man nicht um die berüchtigten Ecken biegt), und für Frühaufsteher gibt es wirklich beeindruckende Panoramaflüge. Diesen haben wir uns dann auch in der zweiten Woche gewidmet, als der Wettkampfstress vorüber war (wobei die Sache mit dem Frühaufstehen manchmal vom Kompass im GPS ausgebügelt werden musste, pfui!). Da wir während des Wettbewerbs jeden Tag geflogen waren (so was gibt es eigentlich gar nicht?), war mein Drang zu fliegen relativ begrenzt und sogar Erwin ließ sich schweren Herzens dazu überreden, den Packsack mal zuhause zu lassen, um auf Erkundungstour zu gehen (zu fahren natürlich). Wir umrundeten die Insel (entdeckten dabei einen fliegbaren Flugberg, oh Schreck!), ließen uns den Vanilleduft um die Nase wehen, suchten Palmenstrände zum abhängen, waren zu blöd, uns eine Tauchermaske zu kaufen, konnten uns kaum satt sehen, riechen und schmecken auf den Märkten, fanden per Zufall den speienden Vulkan, aßen Fisch bis wir uns nach einem Stück Fleisch sehnten und tranken das eine oder andere Glas Punch: das Nationalgetränk aus Rum und diversen Säften.

Last but not least, die einheimischen Flieger sind unglaublich nett, und ich freue mich, dass sie den Zuschlag für das diesjährige World Cup Finale im November erhalten haben.

Á bientôt,

Karen

PS: Wen's interessiert: die Ergebnisse (PDF) und Fotos.